„Tzigane“ von Ravel

Fast gebrochen wirkt das Cliché vom “Zigeuner” in Ravels Stück für Geige und Piano.
Nämlich, weil unter der Traurigkeit, der Fröhlichkeit und der Freiheit immer das
Unbehagen lauert. Aber wird nicht als „Zigeuner“ beneidet und gehasst, wem vorher
genau die Züge angedichtet wurden, die an das gemahnen, das die Hassenden sich
selbst versagen müssen? Wenn die Geige also gleichzeitig leidend lockt und düster
droht – drückt sich darin nicht einfach der Widerstreit zwischen dem Wunsch nach
dem besseren Leben und der Angst davor aus? Die verklärende Sehnsucht kann sich
jeden Moment an einem quälbaren Leib festkrallen und sich als gewaltvolles
Ressentiment entladen; hat sie sich doch niemals eingestanden, dass „etwas fehlt“.

Der wandelbare, wilde, krächzende, ölige, singende Klang der Geige trifft
schließlich auf den des Pianos, das Exakte, das Klare, das Bestimmte. Aber der
erste monologische Drang verschwindet nicht, er transformiert sich nur. Der
Widerspruch bleibt bestehen und bringt etwas anderes hervor. Nämlich die eigene
Musik des Paris, in dem das “Exotische” modisch war. Der Traum handelt von dem
Fremden, von der Lust des Schauers und des Gedankens an die Freiheit. All dieses
Träumen nur um sich nicht fragen zu müssen, wie es noch sein könnte. Und weil die
Frage doch so quälend bohrt.

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