Edward Hopper II

In einigen Bildern Hoppers richten sich die Blicke der Protagonistinnen auf etwas, das nicht im Bild selbst zu sehen ist. Dieses etwas scheint sie anzustrahlen, es beleuchtet sie und gibt ihren nackten Körpern und den sie umgebenden Räumen Kontur. Gleichzeitig aber blendet der Glanz die Frauen nicht, ihr Blick wendet sich nicht ab, sondern bleibt unbeirrbar nach vorne gerichtet. Ihre Augen sind dabei ausdruckslos und verraten weder Begehren, noch Angst, noch Trauer.

Morning Sun

Diese Bilder zeigen das, was bloß ist. Den nackten verletzbaren Leib, der auf den ersten Blick unversehrt scheint aber noch dort erstarrt wirkt, wo sich Bewegung andeutet – der innerlich beschädigt zu Spontaneität und tiefem Gefühlsausdruck gar nicht mehr fähig ist. Sie stellen auch die Umgebung dar, in der sich das Indivuum in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft vorfindet. Den kalten Raum, in dem sich zentral das Bett befindet, das auf die Reproduktion verweist und ansonsten nur Andeutungen auf das, was die Zimmer von jedem anderen unterscheidet. Das was bloß ist könnte schlimmer sein und ist doch so triste und verstörend.

Morning

Aber zu dem bloß Seienden tritt noch etwas hinzu, das den Raum in Licht erstrahlen lässt. Der Raum hat ein Fenster, durch das es aufblitzt. Das Fenster selbst befindet sich noch im Bestehenden, innerhalb des Bildes, aber das, worauf es den Blick freigibt, liegt außerhalb des Darstellbaren. Wäre es abgebildet, könnte es gar nicht mehr alles in sein Licht tauchen. So verweist das was bloß ist über sich hinaus. Was im jetzt überall als glanzvoll erscheint – und nur als formloser Glanz erscheinen kann – die Bilder von Glück, Freiheit und echter Individualität, verweisen schon auf das was noch sein kann.

Eleven AM

Warum allerdings, bleiben die Einzelnen davon unbeindruckt? Emotionslos blicken sie auf das, was sie doch innerlich begehren müssten: Das bessere, das schöne Leben. Fasziniert von dem Strahlen sehen sie nicht, dass dessen Quelle etwas entstammt, das noch nicht ist. Sie erstarren zu Wachs vor dem Leuchten, das auf allem liegt und doch erst ein ungehaltenes Versprechen bedeutet. Das Versprechen einlösen, müssten die so Erstarrten.

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