Alberich

Das untere Bild ist eine 1911 in Bayreuth entstandene Zeichnung eines englischen Malers. Es zeigt Grimhild und Alberich. Das unterschiedliche Aussehen der beiden sticht sofort hervor. Grimhild die nordische Schönheit ist makellos. Alberich, ein Nibelung, dagegen zwergenhaft, ungepflegt und bucklig. Die Rheintöchter rufen ihn einen „garstigen Geck“. Doch was haben diese beiden Figuren miteinander zu tun? In Wagners Epos „Der Ring des Nibelungen“ sind sie die Eltern Hagens. Jenes Mannes, der gegen Ende des letzten Tages den germanischen Helden Siegfried tötet.

Sofort stellt sich die Frage wie Alberich, diese „Judenkarikatur“ (Adorno), es geschafft hat, dass jene großgewachsene Hühnin sich dem Zwergen hingibt. Und den Verdacht, dass es nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen sein kann, legt das Bild schon nahe. Und tatsächlich: Alberich hat sie getäuscht, um so hinterlistig den Beischlaf zu erschleichen.

Alberich, antisemitische Personifikation der Abstraktion, Personifikation des nicht Habhaften, macht in der Vorstellung der AntisemitInnen genau das, was diese ohnedies schon immer wussten: Nicht greifbar, niederträchtig und hinter dem Rücken der Menschen agiert er und verführt die germanische Königin. Alberich im Wagnerschen Mythos; der Jude in der antisemitischen Projektion auf die Gesellschaft.

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