Invidia

Die Ausschließlichkeit, die die romantische Zweierbeziehung für sich beansprucht, rührt von ihrem Schematismus. Sie ist nicht Teil der Vorgabe, sondern ergibt sich erst aus der Beziehungskonstellation. Die Starrheit ihrer Form legt die darin sich einpassenden Einzelnen dergestalt auf eine bloße Funktion fest, dass sie ganz und gar austauschbar werden. „Wären Menschen kein Besitz mehr, so könnten sie auch nicht mehr vertauscht werden”, heißt es in der Minima Moralia, „der Schutz des ganz Bestimmten ist, daß es nicht wiederholt werden kann, und darum duldet es das andere.”

Dieses Bestimmte ist umso stärker realisiert, je weniger die äußere Form schon die Elemente der Zuneigung festlegt. Deshalb bleibt von Beziehungen eher die Erinnerung an das je ganz Besondere und damit unersetzbare. Vom ganzen Falschen affiziert gerät aber selbst jenes noch zum wertvollen Kleinod, zum ewigen, unverlierbaren Besitz. Das andere wird nur geduldet gerade sofern es schematisch ist, das Spezifische zur Konkurrenz erniedrigt und seiner Substanz beraubt.

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