Gespräch

– Naturgemäß, naturgemäß, naturgemäß; was willst du damit sagen? Warum, verdammt, sprichst du so? Weil Bernhard das so oft verwendet hat und du gerne genauso rebellisch sein willst? Oder doch, weil du hoffst, dass hinter deinen Gedanken mehr stecken könnte, das sich naturgemäß andeuten ließe? Naja, das wäre ja noch zu verstehen, vielleicht steckt ja mehr dahinter. Aber doch nicht auf diese Art! Das ist ja unerträglich. Nur, weil ein Wort altmodisch klingt, bedeutet es nicht mehr. Wenn hinter dem, was du sagst mehr steckt, wenn es wirklich über sich hinaus will, dann noch eher ohne diesen mühsamen religiösen Gestus.
– Was willst du von mir? Das ich es nicht mehr benutze? Da ist doch nichts Religöses daran. Wenn ich „naturgemäß“ verwende, dann spekuliere ich auf gar keinen Effekt. Das ist doch eher ironisierend à la „selbstverständlich aber poetischer“, das deckt doch eine Ungenauigkeit auf und deutet keine Tiefe an. Ausserdem klingt es doch schön: naturgemäß
– Also doch Bernhard!
– Ja und!
– Den findet doch noch meine Nazi-Oma gut: „Weil er so schöne, lange Sätze baut“, jeder Satz ein Volksfest. Zum Kotzen ist das.
– Wer vom Inhalt nichts hören will, spricht einfach von den Sätzen, der Sprachgewalt et cetera. Das macht den Inhalt doch nicht schwächer, das ist schon Symptom der hilflosen Schadensbegrenzung.
– So hilflos auch wieder nicht. Außerdem ist das nicht eher ein Ausdruck von Unverständnis. Wenn etwas langweilig ist und niemand etwas damit anfangen kann, dann ist der Code dafür „sprachlich dicht“.
– Poetische Kraft!
– Genau.
– Sprach-Akrobatik.
– Noch besser!
– Ausdrucksstark.
– …

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