Einakter mit Lars von Trier

Ein kleiner verrauchter Raum. Eine Bücherwand. Ein steinerner Tisch im Stil des Wiener Kaffeehauses. Darauf ein halb voller Aschenbecher und zwei Tassen Kaffee. Dazu zwei passende Stühle. Darauf Lars von Trier und Samuel Estragon, beide rauchend.

Samuel Estragon: Erst einmal: Schön, dass sie so weit gereist sind nur um mir eine Frage zu beantworten. Mir bedeutet das sehr viel, selbst wenn oder gerade weil sie die Frage noch nicht kennen. Also gleich zur Sache: Sie sprachen einmal davon, dass sie sich mit Dogma in ihrem technischen Perfektionismus bewusst einschränken, um sich auf den Inhalt konzentrieren zu können. Könnte man sagen um des Ausdrucks Willen?

Lars von Trier: Naja.

Samuel Estragon: Jedenfalls fiel mir das ein, als ich Thomas Mann las und was er über die Musik seiner an Schönberg angelegten Figur Adrian Leverkühn schreibt. Ich lese ihnen das kurz vor. (Nimmt den Doktor Faustus zur Hand, der im Bücherregal auf anderen Büchern vertikal aufliegt und beginnt darin zu Blättern, im ganz hinteren Teil.) Ah ja, hier, bla, bla: „Sie dient jedoch nun einem höheren Zweck, denn, o Wunder und tiefer Dämonenwitz! – vermöge der Restlosigkeit der Form eben wird die Musik als Sprache befreit. In einem gewissen, gröberen und tonmateriellen Sinn ist die Arbeit ja abgetan, ehe die Komposition nur anhebt, und diese kann sich nun völlig ungebunden ergehen, das heißt: sich dem Ausdruck überlassen, als welcher jenseits des Konstruktiven, oder innerhalb ihrer vollkommensten Strenge, wiedergewonnen ist.“ Und so weiter subjektiv und expressiv und so. (legt das Buch auf seinen Schoß und lässt eine Hand darauf ruhen)

Lars von Trier (etwas verwirrt): Interessant…

Samuel Estragon: Und ließe sich das nicht auch über ihren filmischen Stil sagen, also in einer Phase jedenfalls? Dass sie mit der Vorreglementierung des Technischen, dieses sozusagen erledigt haben und so den Film als Sprache befreien?

Lars von Trier: So habe ich mir das noch nie überlegt, vielleicht. Aber eher nicht, eher wollte ich einfach meine Filme machen –

Samuel Estragon (unterbricht ihn): – Verstehen sie mich bitte nicht falsch, aber unter diesen Umständen würde ich sie bitten zu gehen. Danke vielmals, vielen Dank für das Gespräch.

Lars von Trier steht langsam, etwas verunsichert, auf und tritt ab.

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