Rätsel

Einem unzugänglichen, verrätselten Text wird oft vorgeworfen, er wäre unnötig kompliziert. Unterstellt wird ein elitärer Gestus, der ausschließen soll und also undemokratisch und chauvinistisch sei. Diesem Vorwurf liegt eine Vorstellung von Wissen zugrunde, die im Kern von einem autoritären Verhältnis zu Theorie und Denken zeugt. Insgeheim wird nämlich unterstellt, die Autorin hätte eine Einsicht, ein erworbenes Wissen und würde dieses aber verworren und unter Benutzung von schwieriger Sprache wiedergeben. Bedacht wird nicht, dass die Verschlossenheit der Sprache Spur des sich sträubenden Gegenstandes sein könnte. Je schwieriger er sich fassen lässt und je weniger begriffen er ist, desto mehr verrätseln sich die Begriffe, die mit ihm ringen. Wenn die Autorin also nicht zur Allwissenden erhöht würde, erschiene die Schwierigkeit ihres Ausdrucks nicht mehr als elitär, sondern als Mal ihrer Schwäche, ihres Unterliegens im Kampf mit den widerständigen Dingen.

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