Vom Richtigen im Falschen

Bei Proust in „Un amour de Swann“ belügt die junge Odette ihren Liebhaber Swann. Doch weil sie im Lügen nicht geübt ist, bedient sie sich wahrer Fragmente, die als einzelne unschuldig erscheinen. Was sie so zugibt, ist wahr und falsch zugleich: wahr als einfache Tatsache und doch falsch auf die ganze Konstellation bezogen, die ja entschuldigt und verschleiert werden soll. Darin funktionieren ihre Lügen wie Ideologie: als Apologie aber mit einem Wahrheitskern. Sie lassen die Umrisse der Wahrheit erkennen, die sie verbergend einschließen.

Auch in diesem Sinne zeigt das Falsche das Wahre an, wie es Adorno in einem Gespräch mit Ernst Bloch, Spinoza verdrehend, ausdrückt: „Falsum index sui et veri“. So lässt sich der wohl allerbekannteste Adorno Satz, ohne diesem Unrecht zu tun, umkehren: es gibt ein richtiges Leben im falschen. Und je mehr darüber gelogen wird und je stärker es als schon seiend beschworen wird, desto spürbarer wird die Gegenwart des ganz Anderen. Zum einen als was eben bestimmt noch nicht ist und zum anderen als das Zugedeckte, das sich, gleich dem Exuperyschen Elefant in der Boa Konstriktor, doch als Abdruck, als Unverdautes absetzt.

Ein Gedanke zu “Vom Richtigen im Falschen

  1. „Und je mehr darüber gelogen wird und je stärker es als schon seiend beschworen wird, desto spürbarer wird die Gegenwart des ganz Anderen.“

    Hm. na überzeugt bin ich davon nicht…und auch der elefant wird ja ausser vom kleinen prinzen von niemandem erkannt in wirklichkeit…

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