Lingua Industriale

Gedanken haben die eigenartige Eigenschaft, sich gegen instrumentelle Behandlung zu wehren. Gelegentlich fällt mir zu Lektüre etwas ein, das ich aus Mangel an Zeit oder Lust vorerst nur stichwortartig festhalte. Später, so die Hoffnung, würden diese Skizzen die Erinnerung an das Gedachte wieder wecken und es könne aufgeschrieben werden. Wenngleich dann aber tatsächlich bei der Lektüre der Schlagworte die Idee wieder erwacht, erscheint sie mir doch immer wie erloschen, verblichen, schal und auf seltsame Art verzichtbar.

Das liegt daran, dass ihr Spontanes, Überschießendes in der ganz bestimmten sprachlichen Konfiguration liegt, die bei jeder derartigen brutalen Komprimierung aufs Wesentliche beseitigt wird. Am stärksten verkörpern dieses Ausufernde die Füllwörter, die für ihr Dasein keine Rechenschaft geben können und auf die es der journalistische Stil zu jeder Zeit abgesehen hat. Die Bewunderung für den dichten, reduzierten Text, die immer gemeinsam mit erschauernder Ehrfurcht vor dem dicken Buch, dem umfassenden Werk, dem hohen Output auftritt, ist Ausdruck dieses Eliminatorischen – Rancune gegen Sprache überhaupt.

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