Spiel

„Die Aktualitäten einer anderen Zeit schlugen sich an anderen Zeichen nieder.“ – Walter Benjamin

Früher schmückten Zeitungen dort, wo heute Sudokus sich tummeln, Bilderrätsel. Im Rebus verschlingen sich Sprache und Bild. Das derart verwickelt Verrätselte will entworren werden. Es schöpft aus der bestimmten jeweiligen Gegenwart des Lebens der Dinge und der Sprache. Nur das Wissen um diese erlaubt das Rätselbild zu lösen. Dabei fällt das Geheimnisvolle, mit einem mal, oder peu à peu, von ihm ab und die seltsame Anordnung von einer Welt, die von Dingen und Zeichen und Wörtern gleichermaßen bevölkert ist, verliert ihr zuerst eigenartig Unerklärliches.

Das Sudoku dagegen verlangt vom Denken, sich an das der Maschinen anzugleichen. Keines, das einer Maschine nicht im Grunde angemessener wäre. Der Eifer, den die Menschen dabei ja wirklich an den Tag legen, rührt eher daher, dass eine bestimmte Sehnsucht befriedigt wird. Nicht die nach einem Zurechtrücken der Welt durch das Denken, wie im Rebus, sondern eine nach Aufgaben, die klar gestellt und gleichzeitig bewältigbar sind. Vielleicht zumindest auch die nach einer Welt, in der die Maschinen doch endlich dazu da sein werden, den Menschen das Denken zu ermöglichen. Da sie es aber nicht tun, wird ihnen ihr einzig menschlicher Zweck von den Menschen abgenommen; ganz so, als wären eines Tages alle Sudokus gelöst und so das Joch der Maschinenarbeit von den Menschen genommen.

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