Die verschobene Mitte

Die Frage, welche angesichts eines Kunstwerks zu stellen ist, lautet: Wie ist es gemacht? Das ist die Frage des Nachvollzugs, die freilich keineswegs aufs Technische reduzieren darf. Sie ist eins mit der Neugier auf unverstandene Geistigkeit, die in der Wissenschaft wie in der Kunst Wahrheit verheißt. Jedoch hält einzig die Kunst ihr Versprechen, indem sie es nicht hält und ihr Geheimnis bewahrt.

Das Meinende treibt der Kunst diese Wahrheit aus und nähert sie der Wissenschaft an. Heute schießen überall Projekte aus dem Boden, die Kunst und Wissenschaft vereinen wollen. Sie nehmen die Kunst in den Dienst der Wissensproduktion und versuchen ihr so die Ernsthaftigkeit zu verleihen, die sie künstlerisch nicht mehr aufbringen kann. Derart gerät sie zu einer Art besonders originellen, subtilen und unterhaltsamen Methode und wird unkünstlerisch – um ihr Bestes gebracht: dass sie nämlich zur Methode nicht taugt, überhaupt nicht zum Nützlichen.

Wohl könnte Wissenschaft von Kunst lernen, wenn sie dieser entgegenkäme. Dagegen zerrt der Wissenschaftsbetrieb aber nur vollends zu sich herab, was tief genug gesunken ist.

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