Dauer

Viele Intellektuelle und in noch stärkerem Maß Künstlerinnen, haben den Wunsch ein dauerndes Werk hervorzubringen. Eines das wirkt und über das noch in hunderten von Jahren gesprochen werden wird. Sie würden das nicht zugeben, vielleicht ist Wunsch sogar ein zu starkes Wort. Aber jedenfalls haben sie die Fantasie. Keine Frau von Geist, die sich nicht gefragt hätte, was aus ihr, aus ihrem gedanklichen Werk in der Zukunft werden würde – was wird davon übrig bleiben?

Die Antwort ist: nichts. Und zwar nicht, weil die Sachen heutzutage so kurzlebig wären oder dergleichen Clichées, sondern weil es dazu eines lebensfähigen Werkes bedürfte. Ein Werk ist aber dann lebensfähig, wenn es sich in Gesellschaft eigenständig entfalten kann. Kurz: wenn es die Fähigkeit besitzt, sich von seiner Autorin zu entfernen, sich von ihr zu lösen und zu etwas Eigenem zu werden. Das meint zuvörderst Autonomie des Kunstwerks: die Fähigkeit des Gebildes sich selbst zu bestimmen. Das authentische Werk ist darin vielleicht wirklich wie ein Kind. Und, um im Bild zu bleiben, was die Kinder der Kinder in dreihundert Jahren vollbringen, ist schwerlich noch mit den Urgroßeltern in Zusammenhang zu bringen. Andererseits sprechen sie doch oft die gleiche Sprache, lieben dieselben Speisen und lesen dieselben Bücher.

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