Aus Ernst wird Spiel

Seltsam ist das Verhältnis von Spiel, Spaß und Freude zum Ernst. Diese Begriffskreise, die zwei Gegenpole bezeichnen, sind seltsam miteinander verwoben. Wenn, wie es in einer Redewendung heißt, aus Spiel ernst wird, dann wird hier ein Umschlag des Spiels in sein Gegenteil bezeichnet. Zu einem rechten Umschlag gehört aber immer, dass beide Aspekte schon vorhanden waren: es ist stets nur ein Tausch von Latenz und Dominanz. Ohne den nötigen Ernst, kein wirklicher Spaß. So lässt es Thomas Mann auch seinen Felix Krull bemerken, dessen Freude an der Darstellung den allergrößten Ernst zur Voraussetzung hat.

Fraglicher ist schon, ob auch das Umgekehrte gilt. Ob Ernst auch nur dann aufkommen kann, wenn sich – zumal beim Denken – ein Spielerisches bewahrt wird. Die Freude des Denkens darf wohl nicht als Preis gedacht werden, der den Disziplinierten herausspringt. Eher ist sie das, was Ernst überhaupt von Pedanterie unterscheidet – und damit Denken von geistiger Technik. Denken hat sein Glück an der Tätigkeit, nicht an seinem Ergebnis.

Allerdings liegt eine Gefahr darin, Denken in Zusammenhang mit Spiel zu bringen. Es droht dann, wenn schon nicht um seinen Ernst, so doch um seine Verbindlichkeit gebracht zu werden, zum Drauflos zu geraten, in der die Ernsthaftigkeit zwar noch dem selbstgefälligen Spiel, aber nicht mehr dem Gegenstand gilt, der doch letztlich das bleiben muss, dem Denken als sein Anderes gilt. Der Ernst des Spiels dagegen ist autistisch.

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