Das Geschöpf

Ich habe sehr lange an einem Bild gearbeitet. Zunächst hat mich der Entwurf lange Zeit beschäftigt. Er ist der erste Schritt zur Komposition, die freilich in der Malerei nicht als getrennt von der Ausführung aufgefasst werden kann. Die Konzeption geht in die endgültige Gestalt des Bildes nur ein, indem sie sich auflöst. Das meint Benjamin, wenn er davon spricht, das Werk wäre die Totenmaske der Konzeption. Das geplante, die Intention geht als Moment ins Werk ein, indem sie sich verobjektiviert, auslöscht, stirbt. Auch in meinem Bild, lag die eigentliche Arbeit darin, jeden Pinselstrich zu wägen, zu verwerfen oder durchzuführen und nicht im fröhlich kreativen sich etwas Ausdenken. Das daraus resultierende mir selbst Vorgegebene hat dann derart den nächsten Strich schon fast zwingend erfordert. Ein Fehler , ein Verwischen oder ein Zittern der Hand, veränderte schon die Richtung, die das Werk, nun schon fast selbsttätig, zu nehmen sich anschickte. Dann ließ ich das Stück etwas Ruhen. Nur um am nächsten Tag wieder daran zu gehen, noch eine Kleinigkeit hier und ein Detail da, exakt gemäß dem, was das Gebilde verlangte, zu ergänzen.

Als das Opus, das Kunstwerk vollendet war, ging ich, nicht ohne mich vorher kräftig zu betrinken, in den Wald und verscharrte das Bild an einem – nicht zuletzt wegen meiner Trunkenheit – unwiederfindbaren Ort.

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