Medaille

Wer Kunst kaufen oder auch nur gut finden will, wird sich in Zeiten innerer wie äußerer Unsicherheit, eher für konkrete Kunst entscheiden. Für Kunst mit Wirkung, die mit solider handwerklicher Fähigkeit hergestellt wurde. Für die aufwendig gemalten Bilder eines Neo Rauchs oder die effektvollen Gemälde Francis Bacons, für den vagen aber jedenfalls manifesten Geschichtsbezug der Werke Anselm Kiefers oder gleich für die Skulpturen Damien Hirsts, die gleichsam das Naturding selbst, eindrucksvoll präsentiert, ins Museum stellen.

Der Abstraktion wird eigentlich nicht so recht getraut, schon gar nicht der unprätentiösen. Wer weiß, vielleicht ist gar nichts dahinter? Mag sein und sie ist doch nur das, als was sie den meisten ohnehin erscheint: Ein großer Witz eines großen Kindes. Jedenfalls nichts Handfestes; die Abstraktion ist das Finanzwesen der Kunstwelt, die abstrakte Seite des Kapitals, die gedanklich der Konkretion als der „Realkunst“ gegenübergestellt wird. Das steckt auch darin, wenn sie regelmäßig in Verdacht gerät, bloße Verzierung, bloßes Ornament für Anwaltskanzleien und Banken zu sein und übrigens auch wirklich gerne dort hängt.

Der Impuls zum Konkretismus in der Kunst ist also dem Angst-Wunsch verwandt, der im Kapitalismus viele – wenn die Nacht sehr dunkel ist – befällt: Nach einem Stück Grund, nach einem Haus, nach etwas, dem zu trauen ist.

Was an der Abstraktion dagegen reizt, ist ihre Verheißung von sozialem Aufstieg, sie weist aufs Höhere: ein Umstand, der sie offenbar als zur Ikea-Massenware geeignet auszeichnet.

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