Balance

Beim Zeichnen von Menschen, Tieren und Gegenständen hängt einiges von der richtigen Proportion ab. Beim Portrait muss nur ein Auge zu groß geraten und die ganze Perspektive ist beim Teufel oder der Gesichtsausdruck ist grimassenhaft verzerrt. Ist der Kopf eines Tiers im Verhältnis zum Körper überdimensioniert, wirkt das ganze Wesen verstümmelt und seltsam unheimlich. Dabei kann es schon auf kleinste Unterschiede ankommen. Einige Millimeter können mitunter das ganze Bild disproportional erscheinen lassen.

Ganz ähnlich ist es beim Denken und Formulieren. Einiges hängt ab von der Balance zwischen der Insistenz des Denkens, dem gedanklichen Beharren auf einem Punkt und dem rechtzeitigen Übergang zum nächsten oder dem Zurücktreten, um sich prüfend den Komplex als ganzen vor das geistige Auge zu stellen. Bei einem Text ist das Verhältnis seiner Teile zueinander von großer Wichtigkeit. Ein unwesentlicher Teil, der zu lang ausfällt, während Wichtiges zu kurz kommt, erweckt sofort den berechtigten Eindruck, das Entscheidende wäre umgangen worden. Dabei kann schon ein Satz den Textcharakter zum Kippen bringen.

Selbst einzelne Worte müssen nach ihrem Gewicht tariert werden. Ein Wort kann zu schwer sein und einen Satz ungerechtfertigt dominieren. Es kann auch eines anderen Wortes bedürfen, um durch eine derart aufgebaute Spannung austariert zu werden. Auch Satzkonstruktionen können den Schwerpunkt eines Satzes an die falsche Stelle verlagern, sind sie zu dezent oder zu aufdringlich.

Beim Zeichnen wie beim Schreiben und Denken, hängt alles davon ab, jeden Strich und jedes Wort auf sein Verhältnis zur Umgebung zu prüfen, um es dann zu behalten oder zu verwerfen. Dieses Verhalten ist Denken in seinem vollen Sinn: es geht in den Text oder in die Zeichnung ein als Negation des Falschen.

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