Denken und Handeln

Theoretikerinnen finden sich häufig der mit vorwurfsvollen Unterton gestellten Frage gegenüber, was denn nun getan werden könne, gegen die Übel der Welt. Es reiche nicht, sich kritische Gedanken zu machen, es müsse etwas angepackt werden, sei es auch noch so unbedeutend. Häufig fühlt die derart Angegriffene sich bemüßigt, mit der Rechtfertigung aufzuwarten, ihr Denken sei doch selbst ein Handeln, sei doch eingebunden in eine Praxis der Theorieproduktion und das wäre doch zumindest nicht nichts. Schließlich diskutiere sie und schreibe Artikel und hielte Vorträge – alles doch höchst praktische Angelegenheiten.

Soviel daran auch sein mag, so stellt diese Rechtfertigung doch eine Art der Verleugnung des Denkens dar. Implizit wird zugegeben, es müsse auch gehandelt werden und Theorie sei minderwertig, mündete sie nicht in Praxis. Dem Denken die Treue halten, würde dagegen bedeuten, auf den Unterschied zwischen Denken und Handeln zu bestehen; darauf, dass Denken im vollen Sinne nur dann Denken ist, wenn es eben nicht auf Praxis verweist, wenn es ein anderes zum Handeln ist, eine eigene Welt ohne Zwang zur Tat. Nicht zuletzt daher rühren die Freude und das Glück, die im Denken bewahrt bleiben – sofern es sich nicht zum Instrument der Lebensverbesserung degradieren lässt – und die auf ein besseres Leben verweisen. Der Bezug von Denken zum Handeln besteht in ihrer Beziehungslosigkeit. Wenn Denken Handeln sein kann, dann nur, indem es keines ist.

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