Gerhard Richter’s Painting

Selten, dass in allen Nachrichten über ein Bild berichtet wird, wenn es nicht gerade gestohlen oder beschädigt wurde. Aber anscheinend genügt ein eindrucksvoller Verkaufspreis eines Werkes, damit unterschiedlichste Nachrichtenformate sich plötzlich für Kunst interessieren. Wer dabei freilich auf eine Beschreibung oder gar Analyse des Bildes hofft, kann lange warten. Meistens scheint bereits das Nennen des Preises ausreichende Information über das Gemälde darzustellen, allenfalls wird noch der Titel des Stückes genannt: Abstraktes Bild (809-4). Hat dann doch jemand das Gefühl, zumindest ein beschreibender Satz müsse der Nachricht den Eindruck von Tiefe verleihen – wir reden hier schon von der seltenen Ausnahme – wird auf die Anmoderation des Auktionsleiters zurückgegriffen, der das Stück als „combination of outstanding provenance and gold-standard quality“ anpries. Meint: es wird von einem Star verkauft, nämlich Eric Clapton, und wurde von einem Starkünstler gefertigt. Ein Garant für ein reinrassiges Chef d’Œvre.

Und wenn man sich das Bild so ansieht, überraschen diese sehr vagen Bestimmungen, die weniger vom Inhalt des Werkes als von seinem gesellschaftlichen Rang handeln, kaum. Das großformatige Bild kommt auf Aufnahmen nicht sehr gut zur Geltung und lebt wohl zum Teil vom zu erahnenden Farbauftrag. Allerdings lässt sich doch sagen, dass das Werk einigen Interpretationsspielraum offen lässt. Es ist ein bisschen alles und nichts, erfüllt aber die wesentliche Voraussetzung, die ein Museumsstück heute erfüllen muss, um erfolgreich zu sein, Zuordenbarkeit. Könnte es in der Sprache der Menschen sprechen, würde es sagen: „Ich bin ein Richter. Ich bin groß und bestehe aus vielen übereinandergelegten Farbschichten. Ich bin stolz darauf, dass man mir die Arbeit ansieht, die ich bedeutete. So stolz und groß stehe ich da, ein Richter.“ Wenn ein Werk einer Künstlerin diese eine Voraussetzung erfüllt, das jedes ihrer Werke erkannt und ihr zugeordnet werden kann und es derart eine dichte Marke bildet, dann kann ihr bestimmter Inhalt durch den Tauschwert ersetzt werden. Es reicht dann den Preis zu nennen und alles was über ein Bild zu sagen ist wurde gesagt. Der reine Erfolg kann so an die Stelle des Werkes treten und nur auf diese Weise wird heute ein Werk erfolgreich. Fetischismus in der Museumskunst.

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