Zunge

Es ist schwierig, über einen Satz zu sagen, er sei sprachlich falsch, wenn er im Bewusstsein um die bestehenden sprachlichen Konventionen und grammatikalischen Usancen gebildet wurde. Falsch würde dann bloß eben diese Abweichung bezeichnen, die aber gerade eine Fähigkeit von Sprache darstellt. Sie vermag einen Inhalt besser zu treffen, indem sie von einer üblichen Ausdrucksweise abgeht und dabei den Sinn nicht nur zu bewahren, sondern derart erst zu erhalten.

Freilich heißt das nicht, sprachlicher Ausdruck müsse sich möglichst rücksichtslos in die gegenwärtigen Verhältnisse einfügen und sich selbst zum Abdruck dieser machen. Im Gegenteil kann ihr dieses Bewahren von Sinn geradezu bedeuten, sich in eine Gegenstellung zu bringen. Wenn etwa Personengruppen gemischten Geschlechts mit der rein weiblichen Form bezeichnet werden, wird keineswegs Sexismus oder männliche Dominanz verschleiert – er tritt durch diese Entgegensetzung von Sache und Begriff erst deutlich hervor. Diese würde erst falsch, erschiene sie nicht mehr als Gegensatz. Das oberflächlich betrachtet Unsachgemäße, bringt hier das Wesentliche zum Ausdruck.

Hier zeigt sich auch, was den negativen Kern einer materialistischen Sprachauffassung bilden müsste: Aufzuhören, eine endgültige Sprache festlegen zu wollen, die letztlich nur von der Begriffsarbeit, deren Medium die Sprache ist, entbinden soll.

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