Proteus

Der Meeresgott Proteus gab dem von Ed Key und David Konega entwickelten Computerspiel seinen Namen. Und eben vom Meere aus betritt die Spielerin eine Insel aus bunten Farben und seltsam kitschigen Klängen. Die Musik passt sich der Umgebung an und die pixeligen Tiere, welche die Insel bewohnen, reagieren auf die Anwesenheit der Besucherin.

Anders als in dem in gewisser Weise ähnlichen Spiel Minecraft, wird sich aber nicht gleich mit bloßen Händen auf den nächsten Baum gestürzt, um eine Axt zu bauen. Wenn Minecraft die Urform der Naturbeherrschung virtuell verwirklicht – der Mensch, der sich die Natur gemäß seiner Bedürfnisse zurechtstutzt – betritt die Spielerin in Proteus das Bildnis einer versöhnten Natur. Diese Natur ist ihr nicht feindlich gesinnt, noch der in der Wirklichkeit verheerende Schneesturm kann deshalb als schönes von seltsamen Klängen umrauschtes Naturereignis erscheinen.

Auch lassen sich auf der Insel Spuren von Kultivierung entdecken: eine Hütte, einige Statuen oder ein Turm. Diese seltenen Gebäude können aber nicht betreten werden, sie erfüllen keine Funktion. Die Natur, vor der die Hütte Schutz bieten könnte, gibt es nicht. Sie sind ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens. Ein kurzes Gedicht Brechts, das den Titel Der Rauch trägt, lautet: „Das kleine Haus unter den Bäumen am See. / Vom Dach steigt Rauch. / Fehlt er / Wie trostlos dann wären / Haus, Bäume und See.“ In Proteus ist noch etwas dieser Trostlosigkeit spürbar. Denn über dem Schornstein der Hütte auf der Insel fehlt der Rauch.

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