Phantasie

Neuere Serien und Filme erzeugen zum Teil eine beeindruckende Intensität. Es gibt Szenen, die verstören und erschüttern. Sie lassen die Zuseherin tagelang nicht los, sie machen Angst und zwar augenblicklich und nachwirkend. Ein Teil des Publikums meidet deshalb manche Sendungen und Filme, ein anderer sucht gerade nach diesem Erlebnis, das intensiver erscheint, als die Wirkung der Ereignisse im eigenen Leben.

Sicher gab es diese Brutalität in gewisser Weise schon immer, aber nicht in dieser Alltäglichkeit. Die psychologische Wirkung eines Hitchcock-Films sticht als Ausnahme hervor wie die Harmlosigkeit von Krimiserien noch in den 90er-Jahren. Heute dagegen wird allerorts gefoltert und gequält, die Filme verstärken die Grausamkeit noch durch 3D-Effekte und aufwendige Computeranimation: Blut spritzt, Köpfe fliegen einer entgegen usw.

Die Konservativen haben seit je eine Verrohung der Jugend beklagt, die sich an Sex, Gewalt und dergleichen erfreue; vielleicht eine Projektion der eigenen Verängstigung sowie der Versuch, sich der eigenen Härte zu vergewissern: Ich vertrage es ja, aber die Kinder! Wohl auch eine Abwehr von Sadismus – Scham, Gewalt genießen zu können. Auch Prüderie – Scham, Sex genießen zu können.

Trotzdem ist schwer zu verstehen, wie das junge Mädchen im Kinosaal sich an fliegenden Werwolfgehirnen erfreuen kann, während sich die Erwachse Frau daneben verstört an die Armlehnen des bequemen Kinosessels klammert. Vielleicht ist es, entgegen dem Cliché, doch so, dass Kinder besser zwischen Spiel und Wirklichkeit unterscheiden können. Alles für voll nehmen ist schon ein Symptom verarmter Phantasie.

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