Tâches I

Unvorstellbar: jemand sagte, angesichts etwa Cézannes Mont Sainte-Victoire, da wäre ein seltsamer Fleck. Wohl ein Fehler Cézannes, der Fleck sehe komisch aus, vielleicht stattdessen eine andere Farbe verwenden oder den Fleck überhaupt weglassen. Der Fleck wirke irgendwie aufgeklatscht, als wäre er nicht auf dem Berg, sondern auf die Leinwand geraten. Jedenfalls wäre das eigenartig, da hätte er sich etwas überlegen müssen.

Eine Ansage, die allerdings als Bemerkung an einer Kunstuniversität gegenüber dem Bild einer Kollegin keinerlei Aufsehen erregen würde. Wenn Cézannes einen Fleck malt, wird die Theorie so angepasst, dass der Fleck sie geradezu konstituiert, während sich die meisten gegenüber nicht-etablierten Kolleginnen herausnehmen, was ihnen nicht in den Kram passt oder nicht einleuchten will, als Makel des Werkes zu bemängeln.

Diese besondere autoritäre Überheblichkeit ist übrigens außerordentlich verlockend und es ist ihr schwer zu widerstehen. Die Notwendigkeit von Feedback oder prägnanter Kritik als Voraussetzung von Weiterentwicklung ist die recht durchsichtige Rationalisierung eines Sadismus gegen Kunstwerke schlechthin, der ausgelebt wird, sobald das Werk sich schwach zeigt, in statu nascendi oder als von Institutionen und großen Namen noch ungedecktes.

Feedback, mit dem künstlerisch etwas anzufangen wäre, das ins Innere des Gebildes vordränge, erkennte die scheinbaren Schwächen als Momente der potentiellen Stärke des Werkes.

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