Tâches II

Der Gedanke, es gebe einen Sadismus gegen Kunst, tönt gleichzeitig richtig und falsch. Falsch, weil es die Metapher vom Leben der Werke, vom Kunstwerk als lebendigem Gebilde überstrapazieren hieße, ihnen die Fähigkeit zum Schmerz zuzuschreiben. Zudem ist es zwar durchaus denkbar, jemand könne Aggressionen gegen Kunst hegen und es genießen, sie auszuleben – allerdings handelte es sich deshalb noch nicht unbedingt um Sadismus. Dazu fehlte das Vergnügen am Schmerz, an der Macht des Quälens und dergleichen.

Schwieriger ist es, das Richtige des Gedankens zu fassen, das es nicht erlauben will, einfach den Begriff Aggression, Widerwillen, Abneigung oder sogar Hass an Stelle des prekären Ausdrucks zu setzen. Vielleicht liegt der Schlüssel nicht in der Abneigung gegen Kunst, sondern in ihrer Verehrung. Wenn gesagt wird – und es wird oft gesagt – Kunst und Kultur verliehen der Gesellschaft erst ihren Wert, ohne sie wäre diese nichts, offenbart sich darin nicht nur die Rolle von Kunst als Platzhalter einer anderen Welt, die wirklich lebenswert wäre, sondern auch eine latente Feindschaft gegen die Menschen, auf die es in diesem Topos am wenigsten ankommt.

Vielleicht ist es dieser Menschenhass, der als Hass gegen Kunst durchbricht, sobald ihre Fassade unnahbaren Jenseits Risse zeigt. Die Verehrung schlägt um und entpuppt sich als Sadismus. Überhaupt ist es vielleicht legitim, dort von Sadismus zu sprechen, wo Schwäche Gewalt provoziert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s