Fruchtsaft

„… und ich ging dann unauffällig sagen, man möge den Fruchtsaft bringen; meine Großmutter legte Wert darauf, sie fand es liebenswürdiger, wenn es nicht so aussah, als wäre er nur ausnahmsweise und nur des Besuches wegen auf den Tisch gebracht worden.“

Höflichkeit, die den Verwöhnten nichts merken lässt, sich selbst verbirgt, um das auftrumpfend Beschämende zu vermeiden, das sie begleitet, wenn die Höfliche als Höflichere in Erscheinung tritt, zeugt von Einfühlungsvermögen, zarter Rücksicht und Freundlichkeit.

Es gibt auch eine brutale Höflichkeit. Die Höflichkeit dessen etwa, der vor seinem Essen sitzen bleibt, ohne es anzurühren. Er gibt zu verstehen: Tierisches wie Hunger ist mir fremd, aber fresst euch ruhig satt. Diese herablassende Höflichkeit gibt Anderen das Gefühl, unhöflich zu sein, nicht vornehm und nicht fein.

Die höchste Form der Höflichkeit ist demnach ungehobelte Rücksicht und unaufdringliche Freundlichkeit. Diese Vornehmheit kommt ohne Klassendünkel und den ungerechtfertigten Stolz auf des Privileg aus, der Manieren mitunter anhaftet. Sie findet sich gleich verteilt in allen Schichten.

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