Danse spirituelle

Der Gedanke reizt, Denken wäre eine Art des Tanzes.

Jedes künstlerische Tun ist in gewisser Hinsicht ein Tanz. Valéry schlägt in La philosophie de la danse vor, die Hände musizierender beim Spielen ihres Instruments zu beobachten, die Musik auszuschalten und nur auf die Bewegung der Finger zu achten. Hat er nicht recht, wenn er meint, die Gesetzmäßigkeit der Bewegung, der Rhythmus, das Zielgerichtete ließen sich erkennen, es handelte sich um einen Tanz der Finger. Und es stimmt wohl, dass sich ähnliche Ordnungen in anderen Bereichen genauso finden lassen: beim Malen, beim Schreiben – beim Denken. Übrigens ist der Tanz dagegen einfach Tanz, er hat keinen Tanz.Vielleicht ist es beim Denken genauso. Es mag den Tanz den die Denkende vollführt, wenn sie denkt. Das Auf- und Abgehen, der schweifende Blick, das Streichen mit dem Finger über die Augenbrauen. Aber wäre es nicht interessanter – sicherlich diesem Gedanken selbst angemessener – das Denken selbst schon als geordnete Bewegung zu verstehen, als Tanz. Das Denken zu denken als den Tanz des Geistes, der andere Vorgänge begleitet und fundiert. Schließlich wird allerhand Tun von Denken begleitet: kein Kochen ohne Denken. Aber Denken selbst nicht, denn es ist es schon.

Dann wäre Denken zu beurteilen wie eine Choreografie.

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