Das Memling Museum in Brügge II

Es wäre aber falsch, die kulturellen Leistungen der Memlinge auf das Synchronspringen und die Gestaltung von Ausstellungen zu reduzieren. Viele Memlinge haben sich im Laufe der ereignisreichen Geschichte der Stadt auf unterschiedlichsten Gebieten hervorgetan. Der heutige Brüggener Schachverein, um nur ein Beispiel zu nennen, wäre nicht was er ist, ohne den Beitrag der Großmeisterin Oceloria Hilleming. Sie konnte, so berichten Quellen aus der Zeit, gegen 31 andere Spielerinnen und Spieler gleichzeitig Blindschach spielen und dabei über 90% der Partien gewinnen. Das wäre an sich zwar bemerkenswert aber nicht einzigartig, allerdings spielte sie wirklich blind: Die ersten zehn Züge riefen ihr die oftmals aus dem Ausland angereisten Kontrahentinnen und Herausforderer noch ihre Züge zu, aber dann spielte sie gegen sie, indem sie ihre Züge erriet, also ohne zu wissen, wie sie gespielt hatten. Natürlich versuchten alle zunächst ungewöhnliche und absurde Kombinationen zu spielen, um sie zu übertölpeln. Aber noch den skurillsten und abenteurlichsten Zug, hatte sie erwartet und die passende Antwort parat. Als diese gedanklichen Haken sich als unwirksam erwiesen, versuchten die Meisten zu überraschen, indem sie die allervorhersehbarsten Züge wählten. Allein Meisterin Hilleming sah das Vorhersehbare ebensogut wie das Unvohersehbare vorher und ihr war nicht beizukommen.

Eines Tages kam jemand auf die Idee, die Züge nach einem bestimmten System einfach auszuwürfeln. Im Grunde ein genialer Einfall: Wie sollte Hilleming erraten, was der Würfel entschieden hatte? Die Strategie ging insofern auf, als Oceloria, welche die List sofort von jener gefinkelten Spielerin erwartet hatte, nicht mehr über die Aktionen der Rivalin im Bilde war. Allerdings waren die gewürfelten Züge so schwach, dass die Brüggener Großmeisterin keine Schwierigkeiten hatte, das Spiel durch gezielte Aggression schon in wenigen Runden zu beenden. Es sponnen sich, wenig überraschend, zahlreiche Legenden um diese illustre Gestalt, deren Portrait noch heute die Kellerräumlichkeiten des Schachvereins ziert. Manche schrieben ihr oder sogar allen Memlingen telepathische Fähigkeiten zu, andere hielten sie für eine Betrügerin. Ersteres fällt natürlich unter Aberglauben und wäre an letzterem etwas daran, hätte sie es zumindest geschickt genug angestellt, nie erwischt worden zu sein.

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