Die Sonne hatte

das Gras ausgedörrt und die braunen Stengel stachen ihm in die Fußsohle, ritzten ihm die Hornhaut ein. Bremsen setzten sich ihm auf den Rücken, an die Schwarte an der Seite und bissen durch das T-Shirt. Dieses Jahr war es besonders schlimm. Oder kam es ihm nur so vor? Die Luft war trocken und heiß, voll vom Geruch der Föhrennadeln, die den Bodenbereich um den Tisch wie ein Leintuch bedeckten. Er setzte sich. Das war sein Platz, würde wohl für den Rest seines Lebens sein Platz bleiben. Das klang, als wäre das Leben eine Lasagne, die man jeden Tag wieder aufwärmt – und irgendwann gibt es eben nur noch einen Rest. Besser ihn aufessen, bevor er verschimmelt.
Jeden Tag ein Gedicht. Seit viertausendeinhundertzweiunddreißig Tagen. Er schrieb die Nummer links oben auf das Blatt. Meistens verbrauchte er mehr als ein Blatt und am Abend standen da fünf Zeilen oder zehn oder zwanzig. Für mehr war ein Tag zu kurz, es waren eben Ein-Tages-Gedichte. Er schrieb: Hört ihr die Limonen schrumpeln? Strich Limonen durch und schrieb darüber Zitronen. Strich die ersten zwei Worte durch und schrieb: Man hört hier – Man hört hier die Zitronen schrumpeln. Er lauschte in den Garten, auch wenn er keinen Zitronenbaum hatte, nur Oliven, und auch die hatte er noch nie gehört. Man hört hier die Zitronen schrumpeln / und wie die Nüsse sich in ihren Schalen drehen. Man hört den Kater durch die Wiese humpeln / und kann am Gartentor die Hornissen küssen sehen. Er strich zwei Worte aus dem letzten Vers: und kann am Gartentor Hornissen sehen.

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