Der Graben I

Am Sonar war die Walherde deutlich zu erkennen. Julia drehte den Lautsprecher auf, der die Geräusche aus dem Wasser übertrug, und lauschte dem Gesang. Sie passierte die Stadt: Ein elektrisches Korallenriff, ein blinkender und blitzender Teppich am Meeresgrund. Noch vor zehn Jahren war sogar ein Tauchgang bis hierher eine Expedition, heute karrten sie die Touristen mit Linien-U-Booten hinunter und hinauf.
Der Graben war etwas anderes.
Das Flutlicht schien direkt nach unten, aber es war, als leuchtete man in zähen, schwarzen Nebel, der immer erst im letzten Augenblick den Weg freigab. Die Strömung rüttelte am Boot, und Julia hatte Schwierigkeiten, den Sicherheitsabstand zu den Klippen einzuhalten. Schwer zu glauben, dass hier unten noch Menschen lebten. Bisher gab es erst zwei Expeditionen in das Benthal des Grabens. Drei Häuser waren in der Literatur beschrieben, aber wer konnte wissen, wieviele es noch gab?
Ein Sog erfasste das U-Boot. Julia steuerte gegen und schaltete die Turbine auf die höchste Stufe. Trotzdem drückte es das Boot weiter Richtung Fels. Um den Aufprall abzufangen, stellte sie das Boot seitlich und stabilisierte mit dem Seitenantrieb. Ein Krach – und es steckte im Hang.
Wenigstens war der Reaktor nicht ausgefallen. Julia hatte noch Strom, aber der Motor stotterte unregelmäßig, und das Display zeigte an, dass die Hauptturbine Schaden genommen hatte. Wahrscheinlich hatte sie sich in den Stein gefressen und dabei ganz verbogen. Auch das Flutlicht hatte sich verhakt und starrte stur in die Tiefe.

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